Vorhofflimmern
Vorhofflimmern ist die häufigste und komplexeste Form der Herzrhythmusstörungen und eine fortschreitende und an Häufigkeit zunehmende Volkskrankheit, bei der die Anzahl der Erkrankten mit zunehmendem Alter ansteigt. Allein in Deutschland leiden ca. 800.000 Menschen daran. Schätzungen gehen davon aus, dass es in 40 Jahren mehr als 2,5 Millionen sein werden. Weltweit sind über 13,5 Millionen Menschen davon betroffen.
Dass Menschen wegen guter medizinischer Versorgung immer älter werden, trägt weiterhin dazu bei, dass mit steigenden Patientenzahlen zu rechnen ist. Die Prävalenz an Vorhofflimmern zu erkranken steigt bei über 85-Jährigen auf 10% an (1). Durchschnittlich leidet einer von 50 Menschen an Vorhofflimmern (2%). Bis ins Jahr 2050 ist mit einer Patientenzunahme bis auf über 28 Mio. zu rechnen (2,3). Damit steigt bei vielen Menschen auch das Risiko schwerer Folgeerkrankungen wie Schlaganfall, Thrombosen, Embolien, Blutungen und Organversagen. Das Risiko von Ischämischen Attacken ist bei Vorhofflimmern sogar 5-fach erhöht.
Vorhofflimmern bringt eine lebenslange medikamentöse Therapie mit sich, die gravierende Nebenwirkungen haben kann.
(1) Gem. der Studie „Prevalence of diagnosed atrial fibrillation in adults: national implications for rhythm management and stroke prevention: the AnTicoagulation and Risk Factors in Atrial Fibrillation" (Jama 2001; 285: 2370-5) von Hyek, Phillips u.a.
(2) Jama 2001; 18: 2370
(3) The EHRA Whitebook 2009
Wie bemerke ich Vorhofflimmern?
Das Herz ist völlig aus dem Takt, sodass die Herzschläge chaotisch aufeinander folgen. Dabei kann das Herz mit bis zu 160 Schlägen in der Minute rasen, in anderen Fällen zu langsam werden. Häufig sind die Folgen von Herzrasen innere Unruhe, Angstgefühle, Schwitzen, Atemnot und verminderte körperliche Leistungsfähigkeit. Viele Patienten sind beschwerdefrei und das Vorhofflimmern wird nur zufällig vom Arzt entdeckt.
Was geschieht bei Vorhofflimmern in meinem Herzen?
In den Vorhöfen kreisen elektrische Erregungswellen, die zu einer Vorhoffrequenz von bis zu 350 Schlägen in der Minute führen. Dabei können sich die Vorhöfe nicht mehr zusammenziehen und beteiligen sich nicht mehr an der Pumpleistung des Herzens. Das Pumpen des Herzens erfolgt nur noch über die Herzkammern und führt zu unregelmäßigen Blutströmungen. Dabei verlangsamt sich der Blutfluss im Vorhof und die Bildung von Blutgerinnseln wird begünstigt.
Wie entsteht Vorhofflimmern?
Vorhofflimmern wird durch störende elektrische Impulse verursacht. Sie entspringen häufig den Zellgruppen der Lungenvenen (Pulmonalvenen) und geben unabhängig von der elektrischen Herzerregung elektrische Signale ab und stören somit die normale Erregungsausbreitung im linken Vorhof. Daraus resultiert eine sich chaotisch ausbreitende elektrische Aktivität, verbunden mit einer beschleunigten oder verlangsamten Frequenz in der Herzkammer. Eine effektive Kontraktion des Herzmuskels wird verhindert. Kreisende Erregungswellen im Vorhof selber erhalten das Vorhofflimmern aufrecht.
Welche Ursachen begünstigen das Vorhofflimmern?
Die folgenden Ursachen können zu Vorhofflimmern führen:
- Herzklappenerkrankungen
- Rheumatische Herzerkrankungen
- Herzmuskelerkrankungen/-entzündungen
- Bluthochdruck
- Lungenembolie
- Schilddrüsenüberfunktion (meist bei jüngeren Patienten)
- Alkohol- und Medikamentenmissbrauch
In vielen Fällen wird keine Ursache diagnostiziert, hierbei spricht man auch vom idiopathischen Vorhofflimmern.
Welche Folgen hat Vorhofflimmern?
Je nach Gesamtzustand des Herzens kann Vorhofflimmern leichte Beschwerden verursachen, aber auch zu schwerwiegenden Folgeerkrankungen führen. Durch die unregelmäßige Blutströmung im Vorhof besteht ein erhöhtes Risiko für die Bildung von Blutgerinnseln, die als Embolien in andere Organe und ins Gehirn gelangen und dort einen Schlaganfall auslösen können. Mehr als 15% aller Schlaganfälle ereignen sich bei Vorhofflimmern, allein in Deutschland sind es mehr als 40.000 Fälle.
Welche Therapiemöglichkeiten gibt es?
Medikamentöse Behandlung mit unzureichendem Erfolg
Die medikamentöse Behandlung kann auf zwei Arten erfolgen. Zum einen kann man mit einer Blutverdünnung (Antikoagulation) die Blutgerinnung hemmen und damit das Embolierisiko senken. Zum anderen kommen Antiarrythmika zum Einsatz, um den Herzrhythmus zu regulieren. Diese Therapie verspricht jedoch keiner endgültigen Heilung und die dauerhafte Einnahme einiger Präparate begünstigt schwerwiegende Nebenwirkungen.
Kardioversion - meist nicht dauerhaft wirksam
Zur Überführung der Herzaktivität in den Normalrhythmus wird bei der synchronisierten Kardioversion ein kurzer Stromstoß verabreicht , der dem Herzen in einer kurzfristig eingeleiteten Narkose versetzt wird, „um es wieder auf 0 zu bringen" und somit einen normalen Herzrhythmus entstehen zu lassen. Die Therapie hinterlässt keine bleibenden Schäden auf der Haut. Das Vorhofflimmern tritt aber häufig nach einiger Zeit wieder auf.
Katheterablation – Behandlung der Ursache
Die Katheterablation ist ein minimalinvasiver Eingriff der unter Lokalanästhesie durchgeführt wird. Dabei wird über die Leistenvene ein 2-3 mm dicker Schlauch, der Katheter in das Herz eingeführt. An der Katheterspitze wird ein Energieimpuls (Hochfrequenzstrom oder Laser) abgegeben, um punkt- oder linienförmige Verödungsnarben zu setzen. Durch das Nebeneinander vieler kleiner Verödungspunkte oder linienförmige Verödungen entsteht eine kontinuierliche Narbenlinie, die Störimpulse aus den Pulmonalvenen vom linken Vorhof trennt. Damit wird eine Ausbreitung der elektrischen Störimpulse in den linken Vorhof verhindert und das Vorhofflimmern bei minimalem Risiko und ohne die dauerhafte Einnahme von Medikamenten erfolgreich behoben.
Die Katheterablation mit Laser bekämpft nicht die Symptome, sondern die Ursachen. In den überwiegenden Fällen ist die Behandlung erfolgreich und nur einmal notwendig. Sie unterbindet die elektrischen Impulse, die von den Pulmonalvenen ausgehen und im Herzmuskel von Zelle zu Zelle weitergegeben werden.




